Der Hohenzollernzug

Der Hohenzollernzug ist als Komposition aus Loks und Wagen aus der Gründerzeit ein in Mitteleuropa nahezu einmaliges Ensemble aus zwei vierfach gekuppelten Dampflokomotiven, vier Stück zwei- und vier Stück vierachsigen, jeweils baugleichen Personenwagen und drei dazu passenden Gepäckwagen, die in ihrer Entstehungszeit gemeinsam beschafft wurden, während ihres gesamten regulären Betriebseinsatzes zusammen unterwegs waren, Stück für Stück direkt aus dem Ursprungsbestand in den Museumszugdienst übergingen und in die heutige Zeit überliefert wurden. Der Unterschied zu vergleichbaren, historisch ebenfalls sehr sehenswerten und wertvollen Zuggarnituren, wie etwa dem Preußenzug in Minden, welcher aus zueinander passenden Einzelstücken unterschiedlicher Herkunft besteht, ist die Überlieferung des Hohenzollernzuges als Gesamtensemble, also einem Fahrzeugpark der immer zusammengehört hat und stets zusammen im Einsatz war. Auch wenn die einzelnen Fahrzeuge inzwischen in ganz unterschiedlichen Erhaltungszuständen vorhanden sind, kann der Hohenzollernzug getrost als eisenbahnhistorisches Kleinod betrachtet werden. Ziel der GES ist nach wie vor und mehr denn je die betriebsfähige Erhaltung dieses Zuges, der aus drei Loks und 11 Wagen besteht. Eine elementare Zwischentappe auf diesem Weg konnte mit der geschützten Unterstellung des gesamten Zuges im ehemaligen Betriebswerk der WEG-Strohgäubahn in Weissach erreicht werden. Der nächste Schritt ist die Erarbeitung und Verabschiedung einer Aufarbeitungs-Konzeption für jedes einzelne Fahrzeug als Grundlage für die jeweiligen Hauptuntersuchungen.



Die „Gölsdorf-Lok“ 11


Baujahr:

1911

Hersteller:

Maschinenfabrik Esslingen

GES-Eigentum seit:

1969

Status:

in Aufarbeitung




Lok 11 - „d‘11er“ ist wirklich etwas ganz Besonderes: Rein von ihrem Äußeren erscheint die zierliche Lok mit ihren grünen Wasserkästen, ihrem langen Schlot und ihrer durchdringenden Pfeife dem Betrachter wie eine Art Prototyp einer Nebenbahn-Tenderlok. In der baden-württembergischen Museumsbahnszene ist sie durch die unzähligen Sonderfahrten auf sämtlichen Nebenbahnen im württembergischen Landesteil einem breiten Publikum bekannt geworden, bis sie nach dem Dampflok-Verbot auf DB-Gleisen zur Stammlok des „Sofazügles“ auf der privaten WEG-Strecke Nürtingen-Neuffen wurde. Diese Strecke befindet sich unweit ihres Entstehungsortes, der Maschinenfabrik Esslingen, wo sie 1911 zusammen mit ihrer Schwesterlok 12 für die Hohenzollerische Landesbahn (damals „H.L.B.“ später „HzL“)gebaut wurde. Die Beschaffung größerer Lokomotiven wurde bei der Hohenzollerischen Landesbahn nötig, da die kleinen zweiachsigen Lokomotiven dem steigenden Verkehrsaufkommen auf dem topographisch sehr anspruchsvollen Netz nicht mehr gewachsen waren. Wie bei vielen Privatbahnen üblich, wurden auch die Strecken der HLB mit engeren Radien gebaut um Kosten beim Bau zu senken. Damit die vierachsigen Lokomotiven diese Radien gut passieren konnten, wurden sie mit seitenverschiebbaren Achsen der Bauart Gölsdorf ausgestattet. Diese technische Besonderheit wurde bei späteren Überarbeitungen wieder ausgebaut. Lok 11 überlebte durch ein Unglück in ihrer späteren Laufbahn. 1956 stürzte sie nach einer Entgleisung bei Hanfertal den Bahndamm hinunter und musste in grundlegend aufgearbeitet werden. Durch die lange Aufarbeitungszeit erhielt sie relativ spät noch eine Hauptuntersuchung und war damit in einem besseren Zustand, als ihre Schwestern die ab 1964 abgestellt und verschrottet wurden. Als Reservelok überlebte sie so bis die GES sie 1969 kaufte und die fällige Hauptuntersuchung in eigner Regie durchführte. Es war ein Riesenschritt für die GES als junger Museumsbahnverein, als die „11er“ 1971 die ersten Sonderfahrten durch das Killertal zog. Lok 11 ist derzeit zerlegt und wartet in Weissach auf die Befundung und den Beginn der neuen Hauptuntersuchung.



Die „AEG-Lok“ 16


Baujahr:

1928

Hersteller:

AEG Berlin

GES-Eigentum seit:

1973

Status:

in Aufarbeitung




Lok 16 wurde 1928 bei der AEG in Berlin für die Kreis Oldenburger Eisenbahn (KOE) gebaut und unter der Betriebsnummer 11 in Dienst gestellt. Sie war Teil eines vereinheitlichten Lokomotiv-Bauprogrammes der AEG für Privatbahnen, die eine Alternative zu den sogenannten ELNA Lokomotiven darstellen sollte. Als die KOE 1941 teil der Deutschen Reichsbahn wurde, erhielt sie die Betriebsnummer 92 442. Die Deutsche Reichsbahn verfügte von nun an über die nahezu identischen Lokomotiven KOE 10 und KOE 11, da sie für Kleinserien jedoch keine Verwendung hatten, wurden die Maschinen zum Kauf angeboten. 1949 kam die KOE 11 zur Hohenzollerischen Landesbahn und erhielt dort die Betriebsnummer 16, welche bei der GES beibehalten wurde. 1970 wurde die Lok bei der Hohenzollerischen Landesbahn ausgemustert, dann stand sie bis 1973 im Bahnhof Gammertingen. Der damalige 1.Vorsitzende der GES kaufte die Maschine 1973 und stellte sie dem Verein zur Verfügung. 1974 erhielt sie eine Hauptuntersuchung und war somit die zweite betriebsfähige GES-Lokomotive. Da sie mit ihren 600 PS deutlich stärker ist als Lok 11, wurde die bergige Strohgäubahn ihre Heimat, wo sie als angestammte Zuglok des „Feurigen Elias“ jung und alt gleichermaßen begeisterte. 2019 hat Lok 16 eine aufwändige Fahrwerksuntersuchung in Eigenregie der GES erhalten. Bis zum Ablauf der Kesselfrist war sie auf ihrer Stammstrecke Korntal-Weissach im Einsatz. Gegenwärtig wird eine größere Kesselreparatur durchgeführt.



Rangierlok „Margarete“


Baujahr:

1920

Hersteller:

Smoschewer & Co. Breslau

GES-Eigentum seit:

1976

Status:

Ausstellungsstück




Die zweiachsige Nassdampflokomotive „Margarete“ wurde 1920 bei der Gesellschaft für Feldbahn-Industrie Smoschewer & Co. in Breslau für die Fürstlich Hohenzollerischen Hüttenwerke Lauchertthal gebaut. Dort war sie als Rangierlokomotive im Einsatz. Sie stammt aus einer Serie für Werks und Kleinbahnen, zwei ihrer Schwestermaschinen waren bei der Kleinbahn Rennsteig- Frauenwald und bei der Oberweißbacher Bergbahn im Einsatz. 1976 stand sie zum Verkauf und kam somit zur GES Stuttgart. Im Bw Tübingen erhielt sie einige Anpassungen für den Einsatz vor unseren Museumszügen. Durch ihre geringe Leistung konnte sie jedoch nie sinnvoll im Museumsverkehr eingesetzt werden und steht nun in unserem Lokschuppen in Weissach als Ausstellungsstück. Ihren Namen hat sie der Fürstin Margarete von Hohenzollern zu verdanken, die Betriebsnummer 6 ist fiktiv, sie wurde bei der GES in Anlehnung an die zweiachsigen Lokomotiven der Hohenzollerischen Landesbahn vergeben.



Die zweiachsigen „Beuchelt-Wagen“


Anzahl:

4

Baujahre:

1899 - 1901

Hersteller:

Beuchelt & Co. Grünberg (Schlesien)

GES-Eigentum seit:

1973 - 1977




Diese zweiachsigen Personenwagen wurden ab 1899 von Beuchelt & Co. in Grünberg Schlesien für die Hohenzoller’sche Kleinbahn-Gesellschaft (HKG) gebaut. Von 1899 bis 1901 wurden insgesamt elf Wagen ausgeliefert, die alle bis zu ihrer Ausmusterung bei der späteren HzL blieben. Während die Wagen 10 und 11 bei Luftangriffen zwischen September 1944 und April 1945 verloren gingen, wurden die Wagen 1, 2, 4, 5 und 8 bis etwa 1970 nach und nach außer Dienst gestellt und verschrottet. Die Wagen 3 und 6 wurden bis in die 1970er Jahre noch im Personenverkehr eingesetzt und konnten 1973 von der GES betriebsfähig direkt von der HzL übernommen werden. 1976 folgte Wagen 7, der bis dahin als Lagerraum und zum Transport der Aggregate zum Verschweißen der Eisenbahnschienen verwendet wurde. Als letzten Wagen dieser Bauserie konnte die GES den Wagen 9 im Jahr 1977 übernehmen - Er hatte zuletzt als Aufenthaltswagen für die Gleisbaurotte gedient.



Die vierachsigen „Rastatter-Wagen“


Anzahl:

4

Baujahre:

Ab 1907

Hersteller:

Waggonfabrik Rastatt

GES-Eigentum seit:

Anfang 1970er Jahre




Für die 1907 im Bau befindlichen Strecken Burladingen – Gammertingen – Bingen und Hanfertal – Sigmaringen bestellte die Hohenzollerische Landesbahn bei der Waggonfabrik Rastatt sechs vierachsige Personenwagen, von denen zwei über ein zusätzliches Post- und Gepäckabteil verfügen sollten. Die Wagen verfügten über 2. und 3. Klasseabteile, wobei die 2. Klasse für die Verhältnisse auf Nebenbahnen recht komfortabel ausgestattet wurde. Nach dem 2. Weltkrieg waren die Wagen durch Luftangriffe teils stark beschädigt und wurden danach lediglich zweckmäßig repariert. Die luxuriöse Ausstattung der ehemaligen 2. Klasse ist deshalb nicht überliefert, aber man kann sich die Inneneinrichtung anhand der vorhandenen Zeichnungen noch sehr gut vorstellen. Die Wagen 21, 22, 24 und 26 kamen Anfang der 70er Jahre zur GES, von ihnen ist derzeit der 3.Klasse-Wagen Wagen 22 betriebsfähig im Einsatz.



Packwagen 73, 74, 77


Anzahl:

3

Baujahre:

1900

Hersteller:

Beuchelt & Co. Grünberg (Schlesien)

GES-Eigentum seit:

1970er Jahre




Im Jahre 1900 baute Beuchelt & Co. in Grünberg Schlesien vier Post/Packwagen für die Hohenzollerische Landesbahn, sie erhielten die Nummern 71-74. Die Historie des Packwagen 77 ist nicht eindeutig überliefert, es ist jedoch möglich, dass dieser auf den Rahmen eines zweiachsigen Personenwagens (vermutet wird BC Nr.8) aufgebaut wurde. Die Wagen waren bei der Landesbahn im Postverkehr und für den Transport von Gepäck und Stückgut im Einsatz. Die Wagen kamen im Laufe der 70er Jahre zur GES und werden seither für den Transport von Fahrrädern und Kinderwagen bei unseren Sonderfahrten genutzt.