Nachdem die letzten Dampflokomotiven der Deutschen Bundesbahn (DB) abgestellt worden waren, wollte die DB mit dieser Traktionsart nichts mehr zu tun haben. Vielmehr wollte sich die DB als modernes und Umwelt gerechtes Verkehrsmittel im Bewußtsein der Reisenden verankern: der Werbeslogan dieser Tage hieß "Unsere Lokomotiven haben sich das Rauchen abgewöhnt". Hinzu kam, dass die entlang der Strecken eingerichteten Brandschutzstreifen nun entbehrlich geworden waren und man sich die Kosten ersparen wollte, die das Freihalten dieser Streifen mit sich brachte.
Ab 1977 war es daher untersagt, mit einer kohlebefeuerten Dampflokomotive auf DB-Strecken zu verkehren, was dem Museumsverkehr auf vielen beliebten Ausflugsstrecken ein Ende bereitete. Glücklicher Weise hatten sich die GES-Museumszüge "Sofazügle" und "Feuriger Elias" auf den WEG-Strecken Nürtingen - Neuffen beziehungsweise Korntal - Weissach schon gut etabliert, so dass die GES auch in diesen Jahren ein relativ sicheres Auskommen hatte und der teure Unterhalt der historischen Fahrzeuge möglich war.
Für Fahrten auf DB-Nebenstrecken mietete die GES ältere DB-Diesellokomotiven. So wurde die historische Wagengarnitur in diesen Jahren mit V 20, V 36 und V 100 bespannt: teilweise gar in Doppeltraktion oder als "Wendezug" mit jeweils einer Lok an den Zugenden. Historisch korrekt oder nicht: dem Erfolg dieser Fahrten tat es zum Glück keinen Abbruch.
Mit großer Spannung erwarteten die Dampflokfreunde das Jahr 1985: wie würde die DB die Jubiläumsfeiern gestalten? Vor 150 Jahren fuhr der erste Zug in Deutschland von Nürnberg nach Fürth - würde die DB das Dampflokverbot aus diesem Anlass aufheben?
Tatsächlich hatte die DB bis dahin wenig dazu beigetragen, historisch wertvolle Eisenbahnfahrzeuge zu bewahren oder gar betriebsfähig zu erhalten. Auch war das Verhältnis zwischen DB und Museumsbahnen eher gestört. Das anstehende Jubiläumsjahr jedoch bewirkte ein Umdenken: die technische Entwicklung der Eisenbahn einigermaßen repräsentativ darzustellen war letztlich nur in Zusammenarbeit mit der Museumsbahnszene zu realisieren, und 150 Jahre deutsche Eisenbahn zu feiern, ohne der Dampftraktion den ihr gebührenden Raum zu gewähren, war undenkbar.
So erfuhren die Jubiläumsfeiern, die ihren Schwerpunkt in Nürnberg fanden, ein riesiges Publikumsinteresse. "Nostalgie" war das Schlagwort, die Rückbesinnung auf die "Gute Alte Zeit" ein Phänomen, das die moderne Gesellschaft in vielen Lebensbereichen berührte.
Aus Anlass des Jubiläums hatte die DB selbst einige Dampflokomotiven wieder betriebsfähg hergerichtet. Diese nicht unerheblichen Investitionen sollten Früchte tragen, und so beschloss die DB ein eigenes "Nostalgieprogramm" mit Dampfzugfahrten. Dass in diesem Zusammenhang das Dampflokverbot aufgehoben wurde, war für die Museumsbahnen ein angenehmer Nebeneffekt.
Ohne die inzwischen beim Publikum gut eingeführten regelmäßigen Museumszugfahrten auf der "Tälesbahn" und der "Strohgäubahn" zu vernachlässigen, nutzte auch die GES die sich wieder eröffnenden Chancen. Vor allem aber die Tatsache, dass nun keine Diesellokomotive mehr gemietet werden musste, um den Dampfzug von seinem Stellplatz in Stuttgart und Kornwestheim zu seinem Einsatz nach Korntal zu befördern, entlastete die Vereinskasse und das Personal.
Seit Aufhebung des Dampflokverbots in 1985 konnten auch Museumsbahnen wie die GES ihre Loks wieder auf Strecken der DB verkehren lassen. Inzwischen hatten die Fahrten der Museumszüge eine Regelmäßigkeit angenommen, die keines Falls gefährdet werden sollte. Schließlich sichern die Einnahmen aus den Fahrten den Fortbestand des historischen Zuges: ohne Fahrgäste ist der teure Unterhalt dieser Fahrzeuge nicht zu finanzieren.
Mit den relativ leistungsschwachen Nebenbahnlokomotiven der GES konnten DB-Strecken im Raum Stuttgart nur sehr beschränkt befahren werden, auch die recht geringen Wasser- und Kohlenvorräte hielten den Aktionsradius in engen Grenzen. Hinzu kam, dass die Züge auf der recht anspruchsvollen Strohgäubahn dank stetig steigender Fahrgastzahlen immer länger und schwerer wurden. Lok 16 wurde dort stark beansprucht, und der Ruf nach einer stärkeren Lokomotive wurde lauter.
Über die Jahre wurde immer wieder über eine weitere Dampflokomotive diskutiert. Im Gespräch waren beipielsweise eine ELNA 6, preußische G 8 (damals in der Türkei in mehr oder weniger desolatem Zustand zu haben) und die 64er und 86er vom Einkaufszentrum Breuningerland in Tamm.
Mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten standen der Museumsbahnszene aber auch ganz neue Quellen offen: die ehemalige Deutsche Reichbahn der DDR hatte noch bis vor wenigen Jahren eine große Zahl an Dampflokomotiven im Einsatz. Dem beharrlichen Einsatz von Knut Lehmann ist es zu verdanken, dass sich sich die GES letztlich für eine Einheitsdampflokomotive der Baureihe 50 entschied: stark genug für den Dienst auch vor schwereren Zügen, dank des Tenders auch für längere Strecken geeignet, aber dennoch leicht genug auch für den Einsatz auf der Strohgäubahn.
Seit 1991 besitzt die GES die Schlepptenderlok 50 3636 und eröffnete sich damit neue Möglichkeiten, wie zum Beispiel Fahrten auf der "Panoramabahn", dem ersten Teilstück der Gäubahn, die wegen der starken Steigungen aus dem Stuttgarter Talkessel hinaus eine leistungsfähige Lokomotive verlangt.
In vierzig Jahren Vereinsgeschichte hat die GES viele Höhen und Tiefen durchlaufen, eines aber nie aus den Augen verloren: die Pflege historischer Schienenfahrzeuge wurde stets als kulturhistorisch wichtige Aufgabe begriffen. Aus Eisenbahnfreunden haben sich ernsthafte Eisenbahner entwickelt, die sich der Verantwortung den Fahrgästen und den Fahrzeugen gegenüber bewusst sind.
Der satzungsgemäßen Verpflichtung, "verkehrs- und technikgeschichtliche interessante Schienenfahrzeuge und zum Betrieb einer Eisenbahn notwendiges Zubehör zu sammeln", sind die Vereinsmitglieder immer gerecht geworden.
Über die Jahre hatte die Fahrzeugsammlung der GES jedoch schier unüberschaubare Maße angenommen. Nicht nur die schiere Zahl der Sammlungsobjekte war überwältigend: auch das Profil der GES war nicht mehr klar zu definieren. Schließlich setzte sich die Einsicht durch, dass nicht alles Wünschenswerte angesichts der beschränkten Zahl der Aktiven tatsächlich zu realisieren sein würde.
Um sich insbesondere wieder verstärkt auf die Kernsammlung zu konzentrieren und zugleich auch den Erhalt der Exponate zu sichern, die dem Sammlungskonzept der GES nicht entsprechen, hatte man schon in 2004 den Abgang einiger Fahrzeuge beschlossen und in die Wege geleitet.
Auch zwei der ältesten in Deutschland erhalten gebliebenen Personenwagen wurden daher in andere Hände gegeben. Die Wagen der ehemaligen Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen (KWStE), die uns in 1994 vom Verkehrsmuseum Dresden als Leihgabe übergeben wurden und von denen der Ältere aus dem Jahr 1856 stammt, wurden nach Honau abgegeben. Dort sollen sie äußerlich aufgearbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Ebenfalls abgegeben wurden zwei Schnellzugwagen der Gattungen Am und Bm, für die in absehbarer Zeit keine Aussicht auf eine betriebsfähige Aufarbeitung und ein wirtschaftliches Betätigungsfeld bestand.
Besondere Aufmerksamkeit gilt im Jubiläumsjahr den beiden Dampfzuggarnituren: dem historisch besonders wertvollen "Hohenzollernzug" mit Fahrzeugen aus der Zeit um die vorige Jahrhundertwende, aber auch der Zuggarnitur des "Feurigen Elias", der ein Abbild der Eisenbahnen in den 1950er und 1960er Jahren ist.